Vogelmonitoring

Vogelmonitoring geht über die reine Vogelbeobachtung weit hinaus. Es bietet dem engagierten Laien interessante und vielfältige Möglichkeiten der Mitarbeit und soll deshalb gesondert vorgestellt werden.

Vor mehr als einem Jahrhundert, im Jahr 1902, veröffentlichten die Avifaunisten Wüstenei und Clodius die Ergebnisse einer Zählung des Weißstorches in Mecklenburg. In der Einführung zu diesem Artikel heißt es: "Ueber den Werth derartiger Zusammenstellungen kann in unserem Zeitalter der Statistik wohl kaum noch gestritten werden. Zunächst kommt für unseren Verein der wissenschaftliche Werth in Betracht, da es ja Aufgabe der Wissenschaft ist, für jede Thierart sowohl die Verbreitung in der Fauna eines Landes, als auch die Veränderung des Bestandes im Laufe der Zeit festzustellen." Für die Auswertung verwendete man spezielle Zählkarten, die an interessierte Bürger verschickt wurden, insbesondere an "die Herren Pastoren auf dem platten Lande". Damals sprach man natürlich noch nicht von Monitoring, und doch waren diese Erfassungen der Beginn großflächiger Bestandskontrollen bei dieser Art, die bis zum heutigen Tag fortgeführt und auf alle deutschen Bundesländer ausgeweitet wurden.

Fragen nach den Bestandsgrößen und Regulationsmechanismen bei Vogelarten rückten auch bei Wissenschaftlern immer mehr in den Brennpunkt des Interesses. Die früher gebräuchlichen Einschätzungen wie "selten", "häufig" oder "gemein" wurden zunehmend als unbrauchbar empfunden. Gefordert wurden nunmehr exakte Bestandszahlen, die auch statistisch gesicherte Vergleiche ermöglichten. Parallel dazu entwickelte sich der Naturschutz zu einem eigenständigen Handlungsfeld und war dabei ebenfalls auf die genaue Erfassung seiner Schutzgüter (d.h. Arten und Lebensräume) angewiesen. Heute gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen und Richtlinien, die Bestandserfassung und Monitoring bei Vogelarten verbindlich vorschreiben. So trat die quantitative Avifaunistik allmählich aus ihrem unverdienten Schattendasein. Sowohl für die Forschung als auch für Schutzzwecke war sie nunmehr von Interesse.

Vogelmonitoring
http://www.dda-web.de/index.php5?cat=monitoring&subcat=aktuell

Bestandskontrollen
http://bergenhusen.nabu.de/weissstorch/index.html

Gesetze und Richtlinien
http://www.bfn.de/0506_textsammlung.html

In Deutschland gibt es eine Reihe von bundesweiten Monitoringprojekten, die vom Engagement ehrenamtlich tätiger Spezialisten getragen werden, darunter:

1) Das Monitoring häufiger Brutvogelarten. Dieses Programm des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten befasst sich mit Untersuchungen von häufigen Vogelarten (z.B. Feldlerche, Amsel, Buntspecht) auf ausgewählten Probeflächen und in unterschiedlichen Lebensräumen. Dabei wird nach verschiedenen methodischen Ansätzen verfahren. Im Rahmen von Revierkartierungen wird der gesamte Bestand an revierhaltenden Vögeln auf einer Kontrollfläche erfasst. Dieses Verfahren ist sehr aufwändig und erfordert viel Zeit und Erfahrung. Zuverlässige Daten liefern auch die so genannten Punkt-Stopp-Erfassungen und Linienkartierungen, bei denen die Zählungen nach vereinfachten, aber streng standardisierten Vorgaben erfolgen.

2) Das Monitoring Greifvögel und Eulen. Die Koordination des Programmes erfolgt durch den Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten. Wer sich beteiligen möchte, sollte eine oder mehrere Greifvogel- oder Eulenarten (z.B. Mäusebussard, Turmfalke, Schleiereule) auf einer größeren Kontrollfläche jährlich untersuchen. Von Interesse sind dabei sowohl Angaben über den Brutbestand als auch die Feststellung des Bruterfolges. Die Ergebnisse werden in einem jährlichen Bericht zusammengestellt, der jedem Mitarbeiter kostenlos zur Verfügung gestellt wird. An diesem Programm sind inzwischen Mitarbeiter aus mehreren europäischen Ländern beteiligt.

Punkt-Stopp-Erfassungen
http://www.ornithologie-niedersachsen.de/projekte/punktstop/punktstop.html

Linienkartierungen
http://www.dda-web.de/index.php5?cat=monitoring&subcat=ha_neu&subsubcat=kartiermethode

3) Das Integrierte Monitoring von Singvogelpopulationen. Dieses standardisierte Erfassungsprogramm wird von den drei deutschen Beringungszentralen organisiert und betreut. Speziell ausgebildete und geprüfte Beringer errichten Netzstandorte, an denen alljährlich nach einem strengen Zeitregime Vögel gefangen und beringt werden. Auf der Basis der so gewonnenen Daten lassen sich nicht nur Rückschlüsse auf Bestandsveränderungen ziehen, sondern man kann durch die exakte Bestimmung des Jungvogelanteils auch Hinweise zum Reproduktionserfolg und (über Wiederfänge) zu den Überlebensraten der einzelnen Arten gewinnen. Diese Methode eignet sich besonders zur Überwachung häufiger Arten der halboffenen Landschaft (z.B. Dorngrasmücke oder Goldammer).

4) Die Internationale Wasservogelzählung. Die Zentrale für Wasservogelforschung fasst die Ergebnisse der jährlichen Zählungen in Deutschland rastender und überwinternder Wasservogelarten zusammen. Die Erfassungsmethodik ist recht einfach. Zu ganz bestimmten Terminen wird die Anzahl der Wasservögel (z.B. der Graugänse, Pfeifenten und Gänsesäger) auf festgelegten Zählstrecken erfasst, und die Ergebnisse werden auf standardisierten Zählbögen festgehalten. Die Wasservogelzählung ist eines der ältesten internationalen Monitoring-Programme überhaupt.

Neben den hier genannten Projekten gibt es noch zahlreiche spezielle Programme auf der Ebene der Bundesländer bzw. konkreter Naturräume (z.B. Wattenmeer, Nordseeküste, Ostseeküste). Diese werden entweder durch Verbände und/oder durch zuständige Behörden getragen (z.B. durch die Staatlichen Vogelschutzwarten oder Landesämter). Auch für einzelne Arten gibt es bundesweite oder überregionale Spezialistengruppen (z.B. für Wanderfalke, Fischadler), die sich sowohl mit dem Schutz als auch mit der Bestandsüberwachung der jeweiligen Art befassen.

Die Stiftung Vogelmonitoring Deutschland informiert auf ihrer Website www.stiftung-vogelmonitoring.de umfassend über aktuelle Aktivitäten des Vogelmonitorings in Deutschland.

Auch die 1994 gegründete Heinz Sielmann Stiftung unterstützt einige bedeutende Projekte zum Thema Vogelschutz. Nähere Informationen enthält die Website der Stiftung: www.sielmann-stiftung.de.