Praktischer Vogelschutz

Mit dem praktischen Vogelschutz kann ein jeder vor der eigenen Haustür beginnen. Besonders einfach ist es, im eigenen Hof oder Garten Nisthilfen für Höhlenbrüter anzubringen. Der klassische Meisen-Nistkasten mit einem Einflugloch von 28-32 mm Durchmesser wird gern von Kohlmeisen und Blaumeisen angenommen, gelegentlich auch von Gartenrotschwanz, Kleiber und anderen Arten. Für Stare sind etwas größere Kästen mit einem Fluglochdurchmesser von 45-50 mm geeignet. Die verschiedenen Modelle können nach einfachen Bauanleitungen selbst hergestellt oder aber im Fachhandel und in Baumärkten erworben werden. Beim Anbringen sollte beachtet werden, dass die Kästen möglichst unzugänglich für Katzen und Marder sind. Sie sollten außerdem gut erreichbar sein, damit sie im Herbst innen gereinigt werden können. Die Entfernung der alten Nester ist wichtig, da sich in ihnen oft Vogelparasiten wie Milben oder Flöhe aufhalten. Kohlmeisen meiden z.B. Nistkästen, die eine hohe Anzahl von Vogelflöhen aufweisen.

Zunehmend geraten auch unsere Gebäudebrüter in Wohnungsnot. Für Mehlschwalben können spezielle Kunstnester aus Holzbeton angebracht werden, und auch für den Mauersegler und für Dohlen gibt es besondere Kastenmodelle. Diesen Arten kann man jedoch auch durch die Bereitstellung von Nischen und Einflugöffnungen im Bereich der Dachtraufe helfen. Solche Dinge sollten bereits beim Bau bzw. bei der Rekonstruktion von Gebäuden beachtet werden. Merkblätter dazu bieten verschiedene Naturschutzverbände und Behörden an.

Für viele weitere Arten wurden ganz spezifische Nisthilfen entwickelt. Sie zielen teilweise auf die Bestandsförderung oder auch auf die Wiederansiedlung in bestimmten Gebieten und kommen meist im Rahmen besonderer Artenschutzprojekte zum Einsatz.

Meisen-Nistkasten
http://www.gartenfreunde.de/gartenpraxis/gut_zu_wissen/nistkaestenfutterhaeuser/nistkasten

Spezifische Nisthilfen
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/nistkasten-steinkauze.html

Eine besonders populäre Vogelschutzmaßnahme ist die Vogelfütterung im Winter. In Deutschland beteiligen sich daran gut 50% der Bundesbürger gelegentlich und 28% sogar regelmäßig. Der praktische Nutzen solcher Fütterungen ist allerdings umstritten. Nur wenige und meist sehr häufige Arten kommen regelmäßig ans Futterhaus, vor allem Meisen und Finken. Sie sind an die Nahrungsbedingungen im Winter gut angepasst und können auch ohne Zusatzfütterung überleben. Andererseits tragen Winterfütterungen dazu bei, die Vogelbeobachtung und das Naturerleben zu fördern. Für manchen interessierten Laien sind sie der Anlass dafür, sich näher mit der Biologie und den Ansprüchen der Arten zu beschäftigen.

Beim Füttern sind einige Regeln einzuhalten. So sollte die angebotene Futtermischung vor Regen, Schnee und Feuchtigkeit geschützt werden. Futtersilos haben gegenüber den üblichen Futterhäuschen den Vorteil, dass die Körner oder Früchte nicht mit dem Kot der Vögel verunreinigt werden. Der Handel bietet auch Meisenringe oder Meisenknödel an, die man an vielen Stellen einfach aufhängen kann. Auch dort können sich Kot oder Nahrungsreste nicht ansammeln. Zudem schützt das Fett die eingelassenen Körner vor Nässe. Es reicht aus, wenn man das Füttern auf Zeiten besonderer Nahrungsknappheit beschränkt. Das betrifft Tage mit strengem Frost (unter -5°C), geschlossener Schneedecke sowie Eis und Raureif.

Futtermischung
http://infonet.vogelwarte.ch/home.php?siteLoad=wif&hkg=15?=de

Vögel sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt, die von menschlichen Bauwerken ausgehen. Dazu zählen u.a. Freileitungen, Windenergieanlagen und Glasscheiben, auf die wir kurz eingehen wollen.

Für den Weißstorch stellen Unfälle an Energiefreileitungen seit Jahrzehnten eine der häufigsten Todesursachen dar. Sie machen in Europa etwa 70% der Gesamtverluste aus. Betroffen sind vor allem unerfahrene Jungstörche. Sie sterben entweder an Stromschlag oder an den Folgen des Drahtanfluges. Auch der Uhu, die Großtrappe und der Kranich erleiden in manchen Gebieten starke Verluste durch Stromleitungen. In Europa wurden bisher Opfer bei nahezu 200 Vogelarten nachgewiesen. Schutzmaßnahmen an Leitungen und Tragmasten können ohne technische Nachteile realisiert werden. Bei der Errichtung neuer Anlagen sollten sichere Konstruktionen verwendet, bei bestehenden Masten sollte entsprechend nachgerüstet werden. Zur Verhinderung von Stromschlägen muss der Kontakt mit nicht isolierten, stromführenden Teilen verhindert werden. Dies kann z.B. durch das Anbringen von Sitzstangen oberhalb von stehenden (und damit besonders gefährlichen) Isolatoren erfolgen. Bei der Planung von Energietrassen sollte auf besonders sensible Bereiche sowie Schutzgebiete Rücksicht genommen werden. Nicht immer und überall stellen Freileitungen jedoch ein Risiko für Vögel dar. Im Einvernehmen mit den zuständigen Energieversorgern können Leitungsmasten sogar zu langfristig gesicherten Brutplätzen für Fischadler und andere Arten (z.B. Baumfalke, Kolkrabe) umfunktioniert werden.

Eine rasante Entwicklung hat in den letzten Jahren die Errichtung von Windkraftanlagen genommen. Im Jahr 2008 gab es bundesweit mehr als 20.000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von nahezu 24.000 Megawatt. Viele ortsansässige Brutvögel, z.B. Feldlerche oder Amsel, können sich an Windkraftanlagen offenbar gut gewöhnen. Viele ziehende und rastende Arten zeigen dagegen ein deutliches Meidungsverhalten. In Rastgebieten an der Nordseeküste mieden 90% aller Goldregenpfeifer Bereiche, die näher als 330 m an einer Windkraftanlage lagen, 50% sogar einen Umkreis von 490 m. Ein Großteil der Nahrungs- und Ruheflächen für solch empfindliche Arten wird deshalb durch die Errichtung von Windkraftanlagen unbrauchbar. Die Beispiele zeigen, dass die Auswirkungen auf die Avifauna immer je nach den betroffenen Arten (getrennt nach Brut-, Rast- und Zugvögeln) und nach den Standortbedingungen zu beurteilen sind. Allgemeine Vorschläge zur vogelfreundlichen und standortgerechten Gestaltung von Windparks können deshalb nur eine grobe Orientierung geben. Zu direkten Verlusten durch Vogelschlag an den Rotoren und Masten kommt es vergleichsweise selten.

Gestaltung von Windparks
http://bergenhusen.nabu.de/forschung/windenergie/

Groß hingegen sind die Verluste von Vögeln durch den Anflug an Glasscheiben. Man nimmt an, dass es pro Gebäude jährlich mindestens ein Todesopfer gibt. Wahrscheinlich liegt die wirkliche Zahl aber weit höher, denn selbst Vögel, die nach einem Aufprall unverletzt erscheinen, sterben später an ihren inneren Verletzungen. Das Anbringen von Greifvogel-Silhouetten wird vielfach praktiziert, bietet aber kaum Schutz vor dem Scheibentod. Um Kollisionen einigermaßen sicher zu vermeiden, müssen Scheiben flächig markiert oder durch Gardinen, Vorhänge bzw. Jalousien abgedeckt werden. Auch sollte man prüfen, ob es an besonders exponierten Stellen (z.B. an Buswartehäuschen) Alternativen zur Verwendung großer Glasscheiben gibt.

Das Ausbringen von Nisthilfen, die Vogelfütterung sowie die Gefahrenminderung müssen stets als Teilaspekte eines umfassenderen Artenschutzes gesehen werden. Denn diese speziellen Maßnahmen sind weitgehend zwecklos, wenn Vögel keine ausreichend großen und geeigneten Lebensräume vorfinden. Zu den Hauptursachen des Bestandsrückganges bei Vögeln gehört vor allem die Intensivierung und Änderung der Landnutzung. Der Erhalt und die Pflege von Lebensräumen sollten deshalb nicht nur Anliegen von Vogelschützern und Naturliebhabern sein, sondern auch von Landwirten, Förstern, Fischern, Verkehrsplanern und Wasserwirtschaftlern.

Hauptursachen des Bestandsrückganges
http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/wissen/03114.html