Fortpflanzung

Um sich fortzupflanzen, legen alle Vogelarten Eier mit einer harten, widerstandsfähigen Schale. Die Hauptmasse der Schale bildet Calciumkarbonat. Daneben findet man Verbindungen von Eisen, Magnesium und anderen Elementen. Für den Embryo bietet die Schale nämlich nicht nur Abgrenzung und Schutz, sondern auch einen Speicher lebenswichtiger Mineralien, die bei Bedarf herausgelöst und genutzt werden. Um den Gasaustausch zwischen dem Eiinneren und der Umgebung zu gewährleisten, ist die Schale von zahlreichen kleinen Kanälchen durchzogen. Die Eier variieren in Größe, Form und Färbung beträchtlich. Bezogen auf ihre Körpermasse legen große Vögel kleinere Eier als kleine Vögel. Das Ei des Straußes macht nur etwa 1% seiner Körpermasse aus, während Kolibris Eier in einer Größenordnung von 20% ihrer Körpermasse produzieren. Die Form der Eier reicht von nahezu kugelrund (wie beim Waldkauz) bis zu abgerundet kegelförmig (wie bei der Trottellumme). Die letztgenannte Form trifft man oft bei Meeresbewohnern, die ihre Eier auf schmalen Felssimsen ablegen. Ihre Eier rollen auf flachen Unterlagen nicht fort, sondern drehen sich um ihren spitzen Pol. Während Höhlenbrüter oft weiße Eier legen, sind die Eier vieler anderer Arten intensiv gefärbt und unregelmäßig gemustert. Diese Färbung und Musterung dient bei frei brütenden Arten der Tarnung des Geleges und ist bei Bodenbrütern besonders ausgeprägt.

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Gelege des Turmfalken
(Quelle:
http://www.schleiereulen.de/html/gelege.htm)
 
Gelege der Schleiereule
(Quelle:
http://www.schleiereulen.de/html/gelege.htm)

Vogelarten bevorzugen zur Ablage der Eier ganz bestimmte Nistplätze. Viele bauen in typischer Weise frei stehende oder hängende Nester, andere zimmern Höhlen in Bäumen (Spechte), sind Nachmieter solcher Höhlen (Meisen, Stare), graben Niströhren in Uferabbrüche (Eisvögel) oder legen ihre Eier einfach auf den Boden (Ziegenmelker). Die Gelegegröße, das heißt die Anzahl der je Brut abgelegten Eier, ist von Art zu Art verschieden. Sie kann jedoch von zahlreichen Faktoren, z.B. von der Populationsdichte und der geografischen Lage des Brutgebietes, beeinflusst werden. Rotkehlchengelege enthalten in Osteuropa im Durchschnitt 6,3 Eier, auf den Kanarischen Inseln hingegen nur 3,5 Eier.

Viele Vogelarten brüten nur einmal im Jahr, können jedoch bei Verlust der Eier ein Ersatzgelege produzieren. Andere Arten haben sehr kleine Gelege, ziehen dafür aber jährlich mehrere Bruten groß (z.B. die Türkentaube). Die Schleiereule wiederum zeitigt nur in mäusereichen Jahren zwei Gelege, während sie in sehr nahrungsarmen Jahren auch mit der Brut aussetzen kann.

Nistplätze
http://www.manfredgiebing.de/nest.htm

Gelegegröße
http://idw-online.de/pages/de/news292965

Der Zeitpunkt der Eiablage innerhalb des Jahres ist eng mit der Verfügbarkeit der Nahrung für die spätere Jungenaufzucht gekoppelt. Die Brutzeit beginnt bei manchen mitteleuropäischen Arten bereits im Winter, so z.B. beim Seeadler, der schon im Februar mit der Bebrütung des Geleges beginnen kann. Der Sperber hingegen schreitet erst Ende April oder Anfang Mai zur Brut. Wenn die Jungvögel im Juni schlüpfen, stehen für deren Versorgung eine große Anzahl gerade flügge gewordener Singvögel zur Verfügung. Noch später brütet der Eleonorenfalke auf den Inseln des Mittelmeeres, da er für die Jungenaufzucht auf die im Frühherbst durchziehenden Kleinvögel angewiesen ist. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass viele mitteleuropäische Vogelarten heute früher als in vergangenen Jahrzehnten mit der Brut beginnen im Durchschnitt etwa acht Tage früher. Als Ursache für dieses Phänomen wird die globale Erwärmung und die damit verbundene frühere Vegetationsperiode diskutiert.

Ob sich an der Bebrütung des Geleges und an der nachfolgenden Jungenaufzucht ein oder mehrere Altvögel beteiligen, hängt vom jeweiligen Partnerschaftssystem ab. Von der Heckenbraunelle weiß man, dass manche Weibchen nur einen Partner haben und mit ihm zusammen die gemeinsame Brut großziehen. Ein beträchtlicher Teil der Weibchen (bis zu 28%) ist jedoch mit zwei oder mehr Männchen verpaart, insbesondere dann, wenn die Nahrungsbedingungen schlecht sind. Durch das Engagement der zusätzlichen Männchen wird die Aussicht auf eine erfolgreiche Brut erhöht. Diese so genannten Helfer müssen jedoch nicht immer Paarungspartner sein. Junge Haussperlinge beteiligen sich beispielsweise an der Fütterung jüngerer Geschwister. Mit diesem Verhalten tragen sie zum Überleben der Geschwister bei und damit indirekt auch zur Weitergabe von Genen, die sie mit ihren Geschwistern gemeinsam haben. Wissenschaftler sagen in solchen Fällen, dass der Helfer nicht uneigennützig handelt, sondern seine Gesamtfitness erhöht.

Partnerschaftssystem
http://www.referate10.com/referate/Biologie/17/PAARUNGSVERHALTEN--BEI-TIEREN---Die-vielfaltigen-Aspekte-der-geschlechtlichen-Fortpflanzung-reon.php

Gesamtfitness
http://www.biologie-online.eu/verhaltensbiologie/evolution.php

Nicht alle Vogelarten bebrüten ihre Eier. Die Männchen der Großfußhühner errichten einen Nisthügel aus Sand, Erde, Laub und Zweigen. Dort hinein wird eine Kammer gegraben und mit losen Blättern und Rindenstückchen gefüllt. Dieses Material zersetzt sich bei Nässe und gibt Gärungswärme ab. Das Weibchen legt nun über Monate hinweg bis zu 20 Eier, während das Männchen durch Auf- und Abtragen von Material dafür sorgt, dass im Inneren des Hügels eine konstante Temperatur von 33°C herrscht. Nachdem die Küken geschlüpft sind und sich ins Freie gegraben haben, sind sie völlig auf sich allein gestellt. Weder Männchen noch Weibchen kümmern sich ab diesem Zeitpunkt um den Nachwuchs.

Eine andere Fortpflanzungsstrategie treffen wir bei den Brutparasiten an, z.B. beim heimischen Kuckuck. In Mitteleuropa ist er die einzige Vogelart, die ihre Eier nicht selber ausbrütet, sondern sie in Nester anderer Vogelarten legt. Zahlreiche Arten sind als Wirtsvögel des Kuckucks nachgewiesen, unter anderem Teichrohrsänger, Hausrotschwanz, Bachstelze und Rotkehlchen. Ein einzelnes Weibchen legt pro Brutsaison bis zu 25 Eier jeweils einzeln in fremde Nester. Es gibt mindestens 16 farbliche Variationen von Eiern, wobei jedes Kuckucksweibchen nur einen Eityp legt. Oft stimmt die Färbung der Eier sehr genau mit jener der Wirtsvogelart überein, so dass die Wirtseltern den Schwindel nicht erkennen können. Schon nach 12 Tagen Bebrütungszeit schlüpft der sehr agile, aber noch blinde Kuckuck. Er ist damit den Jungen der Pflegeeltern meist voraus und kann so die verbliebenen Eier mühelos aus dem Nest werfen. Der junge Kuckuck hat einen auffallend orangeroten Rachen, der als Reizauslöser für die Fütterung dient. Deshalb versorgen die Wirtseltern ihren herangewachsenen Pflegling auch dann noch, wenn er sie in der Körpergröße um ein Mehrfaches übertrifft.

Großfußhühner
http://www.world-of-animals.de/Tierlexikon/Tierart_Thermometerhuhn.html

Brutparasiten
http://www.geowissenschaften.de/dossier-detail-234-7.html

Anders als der Kuckuck widmen sich die meisten Vogelarten jedoch einer mehr oder weniger intensiven Brutfürsorge, welche die Überlebenschancen für den Nachwuchs erhöhen soll. Darunter versteht man neben der Bebrütung der Eier den Schutz und die Ernährung der Jungen sowie die Vermittlung lebenswichtiger Informationen. Beim Hudern sitzt ein Altvogel mit gesträubtem Gefieder über den Jungen. Dies dient nicht nur der Wärmezufuhr, sondern bietet auch Schutz vor Regen oder Sonne. Nesträuber können aktiv abgewehrt werden, bei der in Kolonie brütenden Wacholderdrossel zum Beispiel durch das Verspritzen von Kot. Bei Einzelbrütern ist das Verleiten des Feindes häufig zu beobachten. Der Altvogel (z.B. ein Flussregenpfeifer oder ein Kiebitz) täuscht dabei den Räuber durch hängende Flügel, auffällige Rufe oder Scheinattacken und lockt ihn somit vom Nest weg. Den Jungen wird dadurch zugleich signalisiert, dass sie unauffällig in Deckung bleiben sollen.

Nestflüchter verlassen sehr bald nach dem Schlüpfen das Nest und werden in der Regel von den Altvögeln noch längere Zeit geführt. Zu ihnen gehören viele größere Arten, die am Boden oder an Gewässern brüten, z.B. Hühnervögel (Wachtel), Entenvögel (Spießente) und Rallen (Wasserralle). Typisch ist die lange Brutzeit, ein hoher Grad von Selbstständigkeit bei den frisch geschlüpften Jungen und die damit verbundene hohe Mobilität von Eltern und Nachwuchs. Zu den Nesthockern gehören einerseits große, wehrhafte Arten mit langer Bebrütungs- und Aufzuchtzeit (z.B. Weißstorch, Steinadler), aber auch kleine Singvögel (Zeisig) oder Spechte (Mittelspecht) mit kurzer Bebrütungszeit und intensiver Brutpflege.

Der Bruterfolg von Vogelarten ist sehr unterschiedlich. Bodenbrüter haben hohe Verluste, und nur etwa 40% der begonnenen Bruten verlaufen erfolgreich. Bei Baumbrütern bzw. Höhlenbrütern liegt der Erfolgsanteil bei durchschnittlich 60 bis 80%. Auch das Alter der Brutvögel spielt eine Rolle. Der Weißstorch brütet im dritten Lebensjahr zum ersten Mal, doch ist der Bruterfolg dann noch sehr gering. Er steigert sich erst mit zunehmender Erfahrung in den Folgejahren.

Bruterfolg
http://www.blessgans.de/index.php?id=449