Evolution und Systematik

Archaeopteryx galt bislang als der älteste bekannte Vogel. Die etwa taubengroßen „Urvögel“ lebten vor 150 Millionen Jahren im Zeitalter des späten Jura. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat man sieben Exemplare gefunden, die als Fossilien im Solnhofer Plattenkalk (in Bayern westlich von Regensburg) erhalten geblieben sind. Archaeopteryx besitzt sowohl Merkmale der Reptilien als auch der Vögel. Zu den Reptilienmerkmalen gehören zum Beispiel der aus Wirbeln bestehende Schwanz, die bezahnten Kiefer, die Finger mit Krallen und die Bauchrippen. Als typisch für Vögel wurden vor allem die Federn, das verwachsene Schlüsselbein und die luftgefüllten Knochen erachtet. Diese Merkmalskombination erhärtete die Vermutung über die Abstammung der Vögel von reptilienartigen Urahnen und stellte somit ein wesentliches Beweisstück für die darwinsche Evolutionstheorie dar. tnarch3.jpg
Berliner Exemplar des Archaeopteryx
(Quelle:
http://www.digitalefolien.de)

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Der Archaeopteryx: Dinosaurier oder Vogel?
(Quelle:
http://www.digitalefolien.de)

Fossilien im Solnhofer Plattenkalk
http://us.geocities.com/stegob/germanarchaeopteryx.html

Darwinsche Evolutionstheorie
http://www.evolutionstheorie-darwin.de/index.html

Die meisten Forscher glauben, dass die unmittelbaren Vorfahren der Vögel kleine Archosaurier (Theropoden) waren, und Archaeopteryx wird heute eher als „Dino“ denn als Vogel eingestuft. Diese Hypothese wurde in den letzten Jahren durch eine Reihe spektakulärer Fossilfunde in China untermauert. 1996 fand man in der Provinz Liaoning ein Dinosaurierfossil (Sinosauropteryx) mit deutlichen Konturen aus fädigen Strukturen. Diese so genannten Filamente wurden als ursprüngliche Federn gedeutet. Sie waren noch nicht zum Fliegen geeignet, sondern dienten wahrscheinlich primär der Wärmeisolierung. Schließlich entwickelten sich daraus typische Federn (mit Federschaft und asymmetrischer Federfahne), die für flugfähige Vogelarten charakteristisch sind.

Unter den Vögeln bildete sich Laufe der Erdzeitalter eine große Formenmannigfaltigkeit heraus, doch starben viele der entstandenen Arten wieder aus, wie z.B. die eindrucksvollen Moa. Die meisten der heutigen Arten bzw. ihre direkten Vorfahren entwickelten sich während des Pleistozäns, welches den Zeitraum von vor etwa 1,8 Millionen bis vor 10.000 Jahren umfasst.

Moa
http://www.artensterben.de/details.php?id=72

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Der Moa
(Quelle:
http://www.artensterben.de/unterseiten_tiere/moa.htm)

Heute leben auf der Erde zirka 9.700 Arten oder Spezies, die der Klasse der Vögel zugeordnet werden. Jede dieser Arten hat einen wissenschaftlichen Namen, der aus zwei Teilen besteht. Man spricht deshalb auch von binärer Nomenklatur, die auf den schwedischen Wissenschaftler Carl von Linné (1707-1778) zurückgeht. Der erste Teil jedes Namens benennt die Gattung, der zweite Teil kennzeichnet die eigentliche Art innerhalb dieser Gattung. Verschiedene Gattungen bilden eine Familie und diese Familien werden wiederum zu Ordnungen zusammengefasst. Alle Familiennamen sind durch die Endung –idea gekennzeichnet, die Namen der Ordnungen durch die Endung –formes. Bei manchen Arten geht das hierarchische Schema bis hin zu Unterarten oder Subspezies.

Arten
http://www.geo.de/GEO/natur/59834.htm

hierarchisches Schema
http://www.birds-online.ch/index.php?cat=2&order=26

Die Benennung von Arten ist eine wichtige Grundlage der biologischen Systematik, die sich ganz allgemein mit der Vielgestaltigkeit der Lebewesen und deren Ursachen beschäftigt. Ziel dieser Wissenschaftsdisziplin ist es, Arten und Artengruppen so abzugrenzen, dass die Einteilung entwicklungsgeschichtliche Abläufe widerspiegelt. Es ist zu erwarten, dass neue molekularbiologische Erkenntnisse zur Durchsetzung grundlegender Änderungen im bisherigen System der Vogelarten führen. Die traditionelle Einteilung geht von etwa 30 Vogelordnungen aus, von denen die meisten auch in Europa mit einer Reihe von Arten vertreten sind:

• Flachbrustvögel (Struthioniformes), z.B. Strauß
• Steißhühner (Tinamiformes), z.B. Andensteißhuhn
• Röhrennasen (Procellariiformes), z.B. Sturmschwalbe (Hydrobates pelagicus)
• Pinguine (Sphenisciformes), z.B. Kaiserpinguin
• Seetaucher (Gaviiformes), z.B. Prachttaucher (Gavia arctica)
• Lappentaucher (Podicipediformes), z.B. Haubentaucher (Podiceps cristatus)
• Ruderfüßer (Pelecaniformes), z.B. Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) und Kormoran (Phalacrocorax carbo)
• Schreitvögel (Ciconiiformes), z.B. Graureiher (Ardea cinerea) und Weißstorch (Ciconia ciconia)
• Flamingos (Phoenicopteriformes), z.B. Rosaflamingo (Phoenicopterus ruber)
• Entenvögel (Anseriformes), z.B. Stockente (Anas platyrhynchos)
• Neuweltgeier (Cathartiformes), z.B. Kondor
• Greifvögel (Falconiformes), z.B. Rotmilan (Milvus milvus)
• Hühnervögel (Galliformes), z.B. Rebhuhn (Perdix perdix)
• Stelzenrallen (Mesitornithiformes), z.B. Moniasstelzenralle
• Kranichvögel (Gruiformes), z.B. Teichhuhn (Gallinula chloropus), Kranich (Grus grus) und Großtrappe (Otis tarda)
• Regenpfeiferartige (Charadriiformes), z.B. Austernfischer (Haematopus ostralegus) und Lachmöwe (Larus ridibundus)
• Flughühner (Pteroclidiformes), z.B. Spießflughuhn (Pterocles alchata)
• Taubenvögel (Columbiformes), z.B. Ringeltaube (Columba palumbus)
• Papageien (Psittaciformes), z.B. Halsbandsittich (Psittacula krameri)
• Kuckucksvögel (Cuculiformes), z.B. Kuckuck (Cuculus canorus)
• Eulen (Strigiformes), z.B. Uhu (Bubo bubo)
• Schwalmvögel (Caprimulgiformes), z.B. Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)
• Segler (Apodiformes), z.B. Mauersegler (Apus apus)
• Kolibris (Trochiliformes), z.B. Rubinkolibri
• Mausvögel (Coliiformes), z.B. Blaunackenmausvogel
• Trogone (Trogoniformes), z.B. Bronzetrogon
• Rackenvögel (Coraciiformes), z.B. Eisvogel (Alcedo atthis), Bienenfresser (Merops apiaster), Blauracke (Coracias garrulus)
• Spechtvögel (Piciformes), z.B. Buntspecht (Dendrocopos major), Wendehals (Jynx torquilla)
• Sperlingsvögel (Passeriformes), z.B. Rauchschwalbe (Hirundo rustica), Kohlmeise (Parus major), Rabenkrähe (Corvus corone corone)

Die Sperlingsvögel bilden mit ungefähr 5.300 Arten weltweit die größte Ordnung. In der Artenliste der Vögel Deutschlands sind mehr als 500 Namen aufgeführt.

Artenliste der Vögel Deutschlands
http://www.limicola.de/voegel-deutschlands.html