Birdwatching

Anders als bei der wissenschaftlichen Vogelkunde (Ornithologie) steht beim Birdwatching, der Vogelbeobachtung, vor allem die Freude am Suchen, Finden und Bestimmen von Vogelarten im Vordergrund. Es ist jedoch ein Hobby, bei dem gute Kenntnisse über die Merkmale und Lebensgewohnheiten der Vögel erforderlich sind. Die Unterscheidung einer weiblichen Rohrammer von einem jungen Spatzen bereitet einem guten Birder keinerlei Schwierigkeiten. Auch große Seltenheiten oder Irrgäste kann er sicher bestimmen.

Für die Vogelbeobachtung ist ein gutes Fernglas meist unverzichtbar. Vielfach verwendet werden Modelle mit einer zehnfachen Vergrößerung und einem Objektivdurchmesser von 50 mm. Auf dem Fernglas sind diese Kennziffern meist angegeben (in unserem Falle mit der Bezeichnung 10x50). Ein großer Objektivdurchmesser ist vor allem dann wichtig, wenn man auch in der Dämmerung gut beobachten will. Eine wichtige Kenngröße ist außerdem der Nahpunkt, bis zu dem man ein Objekt noch scharf einstellen kann. Er sollte unter 5 Metern liegen, damit man auch wenig scheue Arten (z.B. das Rotkehlchen) auf kurze Distanzen gut beobachten kann. Sehr hilfreich ist auch der Einsatz von Spektiven, vor allem beim Beobachten an großen Gewässern und in der freien Landschaft. Es handelt sich dabei um 40- bis 50fach vergrößernde Fernrohre, die meist auf einem Stativ angebracht werden.

Irrgäste
http://www.ufz.de/index.php?de=16554

Zur Ausrüstung bei einem Beobachtungsgang sollte in jedem Fall ein gutes Bestimmungsbuch gehören. Ein routinierter Beobachter wird es im Gelände stets bei sich haben, um die Merkmale eines Vogels gleich vor Ort vergleichen zu können. Versucht man nämlich später einen Vogel aus der Erinnerung zu bestimmen, stellt sich oft heraus, dass auf dieses oder jenes wichtige Detail nicht geachtet wurde. Die genaue Artzuordnung muss dann vielfach offen bleiben. Nur wer weiß, dass für die richtige Bestimmung von Fitis und Zilpzalp z.B. die Färbung der Beine wichtig ist, wird darauf besonders achten. Fotografien und Videoaufnahmen von Vögeln sind für die Bestimmung meist nur dann hilfreich, wenn man über Objektive mit großem optischem Zoom verfügt. Digitaler Zoom vergrößert nur die Darstellung, ohne die tatsächliche Auflösung des Bildes zu verbessern.

Seit einiger Zeit sind auch Tonaufnahmen von nahezu allen europäischen Vogelarten in guter Qualität verfügbar. Sie sind auf handlichen Playern (z.B. als mp3-Dateien) abspielbar und können ebenfalls im Feld mitgeführt werden. Geräte mit Recorderfunktion bieten zudem die Möglichkeit, die Stimmen aufzunehmen und daheim einen Spezialisten nach seinem Urteil zu befragen. Ideal für die Vor- und Nachbereitung von Exkursionen sind nicht zuletzt auch neuartige Multimediaprodukte wie das vorliegende, die sowohl die Bestimmung von Vogelarten als auch die Archivierung von Beobachtungen ermöglichen.

Bestimmungsbuch
http://www.ornithologie.net/buecher/bestimmungsbuecher/

Ganz gleich ob man ein Tagebuch oder einen Computer benutzt – in jedem Fall sollte ein Beobachter seine Feststellungen notieren. Zu jeder Eintragung gehören mindestens der Artname, die Anzahl der Vögel, das Datum und der Beobachtungsort. Dies hilft nicht nur die Artenkenntnis systematisch zu erweitern, sondern verschafft auch eine gute Übersicht über die Vogelwelt eines bestimmten Gebietes. Zuverlässige und langjährige Aufzeichnungen können auch dem Naturschützer und dem Forscher wichtige Hinweise geben. Avifaunistische Verbände und Arbeitsgemeinschaften stellen deshalb regelmäßig Beobachtungsberichte zusammen. Dem Austausch von Zufallsbeobachtungen dienen Vogelforen im Internet.

Die beste Zeit zum Beobachten von Vögeln sind die frühen Morgenstunden; dann sind die meisten Arten sehr aktiv und im Frühling durch ihre Gesänge besonders auffällig und leicht zu finden. Für spezielle Arten müssen die Exkursionen jedoch in die Abenddämmerung oder gar in die Nachtstunden verlegt werden. Ziegenmelker und Wachtelkönige singen in der Dunkelheit, während der Steinkauz vor allem in der Dämmerung aktiv ist. Allerdings gibt es auch Eulenarten – wie z.B. der Sperlingskauz oder die Sumpfohreule –, die nicht nur am Morgen und am Abend, sondern oftmals mitten am Tage rege sind.

Vogelforen
http://www.birdnet-cms.de/cms/front_content.php

Ein erfahrener Beobachter wird nicht nur die Tagesrhythmik sowie die äußerlichen und stimmlichen Merkmale der Vögel kennen, sondern auch deren Spuren und Zeichen beachten und zuordnen können. So rupft der Sperber die von ihm erbeuteten Vögel regelmäßig auf niedrigen Baumstümpfen in der Nähe des Brutplatzes. Anhand dieser Rupfungen kann sein Speisezettel über die gesamte Brutzeit hinweg rekonstruiert werden. Auch finden sich im Revier des Sperbers im Mai oder Juni regelmäßig Mauserfedern, die ebenfalls wichtige Indizien für sein Vorkommen sind. Singdrosseln haben die Angewohnheit, Schneckenhäuser auf Steinen zu zertrümmern, um deren nahrhaften Inhalt zu verzehren. Ansammlungen solcher Schneckenhäuser bezeichnet man als Drosselschmieden. Neuntöter und andere Würgerarten spießen ihre Beutetiere (Käfer, Mäuse und auch kleine Vögel) gern auf Dornen und Äste. Und der heimliche Dreizehenspecht verrät dem Experten seine Anwesenheit in der Art und Weise, wie er die Rinde der Bäume in seinem Revier bearbeitet.

Sehr wichtig ist es für den Birder, über die Lebensraumansprüche und das jahreszeitliche Verhalten der Vogelarten genau Bescheid zu wissen. Er wird die Heidelerche auf Kahlschlägen oder am Rand von ausgedehnten Kiefernwäldern suchen, die Feldlerche auf ausgedehnten Wiesen und Getreideäckern und die Haubenlerche auf den kargen Ruderalflächen eines Industriegebietes. Er weiß auch, dass Stare und Rauchschwalben im Herbst zu Tausenden im Schilf der Gewässer übernachten können und dass sich in den winterlichen Krähenschwärmen vor allem Saatkrähen zusammenfinden, während die ihnen ähnlichen Rabenkrähen nur paarweise oder in kleinen Trupps zusammenhalten. All dieses Wissen erleichtert ihm die richtige Bestimmung der Arten.

Rupfungen
http://www.federbestimmung.de/

Besonders gut lässt sich das Verhalten und die Entwicklung von Vögeln beobachten, die in Nistkästen brüten. Man kann größere Jungvögel durchaus für einige Minuten aus dem Kasten nehmen, ohne dass die Eltern dies verübeln. Sie nehmen meist nach sehr kurzer Zeit die Fütterung wieder auf. Die Ansicht, dass Vögel ihre Jungen in solchen Fällen wegen des fremden Geruches verstoßen, stimmt nicht. Gerade für Kinder ist es ein großes Erlebnis, einen Nestling der Blaumeise oder des Trauerschnäppers einmal selbst in der Hand zu halten.

Im Allgemeinen gilt jedoch, dass ein Beobachter möglichst wenig stören sollte. Im Vordergrund muss bei aller Neugier immer das Wohl und der Schutz der Vogelwelt sowie die Unversehrtheit ihrer Lebensräume und Brutplätze stehen.

Eine spannende Sache ist auch die Teilnahme an einem Birdrace. Bei diesem ornithologischen Wettstreit müssen innerhalb von 24 Stunden eines festgelegten Tages möglichst viele verschiedene Vogelarten registriert werden. In Deutschland gibt es das Birdrace seit dem Jahr 2004; es wird vom Dachverband Deutscher Avifaunisten organisiert.

Birdrace
http://www.dda-web.de/index.php5?cat=dda&subcat=birdrace&subsubcat=hintergrund